Dieses Jahr haben MUNS-Mitglieder wieder an der Harvard WorldMUN teilgenommen. Dieses Mal ging es nach Südkorea. Was sie dort erlebt haben, ist hier nachzulesen.

Kimchi und Kompromissfindung

12.05, der Flug LH712 landet im internationalen Flughafen Incheon bei Seoul, Südkorea. Die erste Delegierte der Model United Nations Society Düsseldorf betritt den Boden eines noch unbekannten Landes. Was sie jetzt noch nicht weiß: Zwei Wochen später wird sie an der gleichen stehen und auf eine unvergessliche Zeit bei der WorldMUN 2015 zurückblicken.

Die WorldMUN ist eine der größten internationalen Model United Nations Konferenzen, an der jährlich über 2.500 Studierende aus mehr als 100 Ländern teilnehmen. Die Konferenz wird von der Harvard University veranstaltet und findet jedes Jahr in einer anderen Weltmetropole statt. Wie fast jedes Jahr hat auch die Model United Nations Society auch dieses Mal eine Delegation von engagierten Studierenden verschiedener Fachrichtungen vorbereitet und entsendet.

Nachdem alle teilnehmenden MUNS-Mitglieder eingetroffen waren, hatten sie noch ein paar Tage Zeit, die aufregende Stadt Seoul kennenzulernen. Neben historischen Palästen, erleuchteten Hochhäusern und zahlreichen Restaurants lud vor allem das Universitätsviertel Hongdae zu allerlei abwechslungsreichen Ausgehmöglichkeiten ein.

Von der Großstadt durch den Irrgarten der U-Bahn fanden sich die Delegierten – müde, aber motiviert, am Montag morgen am Veranstaltungsgelände der Konferenz wieder. Die Teilnehmer wurden mit einer eindrucksvollen Eröffnungszeremonie aus ihrer Müdigkeit gerissen: Bereits zu Beginn wateten die Veranstalter mit einer faszinierenden Darbietung der koreanischen Kultur auf. Dabei wurden nicht nur traditionelle koreanische Tänze aufgeführt, sondern mit K-Pop und Breakdance auch das moderne Gesicht Südkoreas gezeigt. Nach Grußworten des WorldMUN Secretary Generals, des Bürgermeisters von Goyang und eines Professors der Hongik University begannen auch schon die Sitzungen der verschiedenen Komitees.

Dieses Jahr vertrat die Delegation Jemen in drei verschiedenen Komitees. Deborah Hakenholz und Djamila Böhm vertraten die Republik im „Disarmament and Security Committee“. In einem der größten Komitees der ganzen Konferenz wurde über Cyber Warfare diskutiert. Mit den über 300 Delegierten des Komitees brach im Konferenzsaal ein Kampf um den begehrten Platz am Rednerpult aus. Die Delegierten des Jemen konnte im Verbund mit ihren Nachbarstaaten dennoch eine starke Position beziehen und überzeugten einen großen Teil der Delegierten von ihren Interessen. In der abschließenden Resolution fanden sich sehr viele Einflüsse der arabischen Länder wieder, sodass die Delegation von einem Erfolg sprechen kann.

Giacomo Sebis war der Delegierte Jemens im „Millennium Development Goals Committee“. Bereits am ersten Tag zeichnete sich hier eine außerordentliche Bereitschaft zum Debattieren und Verhandeln. Ziel war es die Millennium Development Goals neu zu definieren. Zwei verschiedene Lager haben sich sehr schnell etabliert und versuchten ihre Positionen bis zur Abstimmung über die Resolution durchzusetzen. Die Vereinigten Staaten traten einerseits für die Durchsetzung von Good Governance ein und erreichten damit einen großen Teil, aber noch nicht die Mehrheit der Mitgliedstaaten. Andererseits pochten insbesondere Frankreich und Israel auf eine gemäßigtere Herangehensweise und versuchten die Einflüsse der USA zurückzudrängen. Bis zum Schluss blieb es zwischen diesen beiden Fraktionen bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen, doch die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten konnten sich schließlich durchsetzen, wovon auch die Delegation Jemens profitierte.

Greta Tumbrink vertrat die Republik Jemens in der Historical General Assembly. In diesem Crisis Committee wurden die Delegierten ins Jahr 1995 zurückversetzt. Die VN-Mitgliedsstaaten waren mit dem ethnischen Konflikt zwischen Serben und Bosniaken in der Anfangsphase des Kosovo-Konflikts und den humanitären Konsequenzen konfrontiert. Bisherige Lösungsansätze führten zu neuen Problemen: Im Mai 1995 wurden französische Soldaten der Blauhelmtruppen entführt und gefangen gehalten. Eine zentrale Auseinandersetzung drehte sich um die sehr heikle Frage, ob der weiteren Aufstockung der bereits stationierten UN-Truppen zugestimmt werden soll oder andere friedensschaffende Maßnahmen ins Auge gefasst werden sollten. Trotz weiterer Konflikte wurde dennoch eine auch von der Delegierten Jemens unterstützten Resolution verabschiedet.

Nach den täglichen Anstrengungen in den Komitees warteten am Abend die Clubs Seouls darauf von den Delegierten entdeckt zu werden. Den Beginn machte das „Global Village“: Fast alle Delegationen brachten aus ihren Herkunftsländern landestypische Getränke und Naschereien sowie zum Teil kleine Mitbringsel mit, die von allen Teilnehmern verköstigt werden konnten. Dieses Thema setzte sich am dritten Abend fort: Verschiedene Delegationen führten im Rahmen eines Kabaret-Abends vorab vorbereitete Performances vor. Drei Teilnehmer aus Taiwan bereiteten beispielsweise eine spektakuläre Lichtshow vor, die an ein Duell aus einem bekannten Sciencefiction-Film erinnerte. Selbst der Moderator beteiligte sich künstlerisch, indem er mit einem anderen Delegierten eine ohrenberauschende Beatbox-Einlage improvisierte. Am nächsten Tag wurden für die über 2.500 Delegierten ein Pub Crawl durch die Bars und Clubs Hongdaes organisiert. Aber alleine standen sie nicht da: Die Volunteers (liebevoll auch „Voluntierchen“ genannt) führten an strategisch positionierten Standpunkten die Delegierten zu den nächsten Locations sorgten so für einen reibungslosen Ablauf des Abends. Den Abschluss der Konferenz bildete eine Farewell-Party der besonderen Art: Auf einer Halbinsel am Han River lud ein exklusives Ambiente mit farbenprächtiger Fassade.

Wenige Tage später, 14.25, LH713 – nun bricht auch die letzte Delegierte der MUN Society wieder Richtung Düsseldorf auf. Zeit Revue passieren zu lassen: Von den Sitzungen in den Komitees abgesehen hat die koreanische Metropole einen bleibenden Eindruck hinterlassen – Unvergessliche Erfahrungen, neue Freunde und die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr inklusive.